Wenn du nicht da bist..

Ich hasse kitschigen Scheiß. Ich hasse Beziehungsgequatsche. Ich hasse es, eigentlich einfache Dinge, zu über dramatisieren. Und doch bin ich Meisterin in allen diesen Dingen. Ich spiele, nur um mich in diesen Disziplinen auszuzeichnen. In Disziplinen, die ich ablehne, die ich hasse. Immer und immer wieder tue ich es. Ich stosse dich weg von mir. Erwarte, dass du zu mir zurück kommst. Erwarte, dass du mir beweist, dass du mich trotzdem magst. Es ist ein Spiel. Die Mauern zwischen uns, meistens sind sie nur von mir konstruiert. Denn es gibt keine Mauern zwischen uns. Alle Unterschiede, alle Gegensätze - völlig bedeutungslos. Warum maure ich etwas, das ich eigentlich gar nicht will? Weil ich den Beweis will, weil ich ihn brauche. So wie ich dich brauche. Nie würde ich mir oder gar dir eingestehen, welche Angst ich habe, dich zu verlieren. Lieber stosse ich dich weg, tue dir weh, nur um den Beweis zu bekommen. Irgendwann wird es dir reichen. Irgendwann wird das Maß voll sein. Ich weiß das, doch ich kann nicht aufhören. Ich brauche den Beweis. Wenn du nicht da bist, nicht bei mir bist, dann ist es am schlimmsten. Ich will, dass du an mich denkst. Ich will mich nicht darauf verlassen, dass du das sowieso tust. Deshalb beginne ich mein Spiel. Ich suche nach Mücken, die ich zu Elefanten groß päppeln kann. Ich will, dass du mit schlechtem Gewissen an mich denkst. Denn das ist besser als gar nichts. Diese Suche, das ist mein Spiel. Du musst mir keinen Anlass geben, ich werde ihn auch so finden. Meine Mücken sind klein. So klein, mit bloßem Auge sind sie nicht zu erkennen. Doch ich finde sie immer. Sobald ich sie gefangen habe, fange ich an sie zu füttern. Ein unbedachtes Wort, eine kleine Geste. Oder kein Wort, keine Geste. Oder zu wenig von beidem. Schon wächst meine Mücke, schon ist sie einige Zentimeter groß. Noch zu klein, um damit zu spielen. Doch manchmal reicht auch das bereits. Schnell ein Rüssel und Elefantenohren daran montiert und schon ist die Mücke bereit zum Spiel. Mein Spiel kennt nur Verlierer. Nie habe ich eine Partie gewonnen. Selbst wenn ich am Ende triumphiere, habe ich doch verloren. Du spielst nicht freiwillig, immer muss ich dich dazu zwingen. Doch selbst wenn du am Ende triumphierst, hast du doch verloren. Haben wir beide verloren. Wir haben uns gegenseitig Freiheit versprochen. Schlaf' mit wem du willst, es ist mir egal. Doch den Gedanken, dass du nicht an mich denkst, den kann ich nicht ertragen. Tue was du willst, soll das Gesetz sein. Doch den Gedanken, dass andere dir wichtiger sind als ich, den kann ich nicht ertragen. Mit der Freiheit, die ich dir versprach, meinte ich körperliche Freiheit. Geistig will ich dich in einen Käfig sperren. Einen goldenen Käfig, doch ausbruchssicher. Geistig will ich dich an mich ketten. Dich nie wieder freilassen. Die Verbindung zwischen uns. Sind wir zusammen ist sie so stark, dass nicht nur wir sie spüren. Doch wenn du nicht da bist, nicht bei mir bist, dann verliere ich sie. Dann brauche ich den Beweis. Die Mauern zwischen uns. Sind wir zusammen, stürzten sie ein. Nicht ein Mauerstein bleibt bestehen. Doch wenn du nicht da bist, nicht bei mir bist, dann türmen sie sich meilenweit in den Himmel. Dann brauche ich den Beweis. Das Schweigen zwischen uns. Sind wir zusammen, verstehen wir uns auch ohne Worte. Doch wenn du nicht da bist, nicht bei mir bist, dann wird das Schweigen zur Last. Und dann brauche ich den Beweis. Den Beweis, dass du mich trotz allem magst. Irgendwann wird es dir reichen. Irgendwann wird das Maß voll sein. Dabei ist mein Leben leer, ohne dich. Nie würde ich mir oder gar dir das eingestehen.

6.1.15 02:07

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


dunkelumrandet (6.1.15 02:20)
Du schreibst deine Texte echt mit viel Gefühl und man selbst als Leser merkt deine Verzweiflung und fühlt mit dir mit.


medware (6.1.15 02:23)
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